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Zweitägige Exkursion 2007: Das Berneroberland ist schön.

Die von Esther Bächer und Jürg Schmutz organisierte und geleitete Exkursion ins Berner Oberland wurde für alle Beteiligten zum unvergesslichen Erlebnis. Die reiselustige Schar konnte pünktlich um 7 Uhr in Frauenfeld starten, und da es auf der Autobahn ganz flott voranging, wuchs die Wahrscheinlichkeit, die erste Klippe eines jeden ersten Vereinsreisetags, die Kaffeepause, elegant zu nehmen: wieder einmal im Bären im schmucken Ersigen, wo an diesem Morgen auch an die zwanzig Glückssauen gute Weiterfahrt wünschten. Die endete zunächst in Brienz, wo Jürg Schmutz fachkundig durch den langgezogenen Ort führte und namentlich auf die Geigenbau- und die Schnitzerschule hinwies. Schon begann sich auch das Wetter von seiner besten Seite zu zeigen. Und auch die kurze Verschiebung ins Hotel Brienz und die dortige Verpflegung gingen bestens über die Bühne, so dass man um 14 Uhr das Schiff Richtung Giessbach besteigen konnte. Jetzt war reines Postkartenwetter und Schulreise pur: zuerst das Schiff, dann das Standseilbähnchen. Diese Ausblicke vom Hotel Giessbach aus! Und dann auch diese Einblicke in die Belle Epoque, da stak man, trotz moderner Freizeitbekleidung, einen Moment lang im Smoking – um allerdings, als man die Halle und den Speisesaal und das Billardzimmer verliess, um auf der Rückseite des Hotels in einen andern Flügel zu wechseln, sich gleich als Domestik zu fühlen. Man hätte durchaus noch eine Weile im Garten sitzen mögen, wenn nicht plötzlich ein kalter Wind aufgekommen wäre, im übrigen aber auch die Reiseleitung dazu gedrängt hätte, wieder ins Bähnchen einzusteigen und zur Schifflände hinunterzugleiten. Dort ging der Traum weiter: ein Raddampfer, auf dem Jung und Alt fasziniert in den Maschinenraum hinuntersah und die wunderbare Landschaft durchaus einmal eine Zeitlang faszinierende Landschaft bleiben liess. Nur schade, dass allzu schnell Iseltwald erreicht war, wo der Bus wartete, um die bereits mit vielen Eindrücken beschenkte Reisegesellschaft nach Grindelwald hinaufzuführen. Dort durften die Hotelzimmer nur provisorisch bezogen werden, denn der Marschbefehl lag bereits vor. Allerdings ein schöner Marsch, war Hans Egger, wenn man ihn auch nicht immer ganz oder nicht auf Anhieb verstand, doch schlicht brillant! Wie da einer immer am Reisethema blieb und doch laufend virtuos abschweifte und die Gesellschaft mit schönen Anekdoten bediente – so müsste man es selber können. Auch sein Kollege Samuel Michel im Ortsmuseum machte seine Sache auf eine sympathische Art und Weise gut, und jedenfalls konnte man ihm nicht vorwerfen, ihn nicht zu hören. So gingen die Gruppen denn beglückt zum Abendessen ins Hotel Schönegg. Zwischen Dessert und Kaffee gab Esther Bächer einen perfekten Überblick über die Berner Oberländer Tourismusgeschichte; so konnte man den Tag Revue passieren lassen und sich auf den folgenden herzlich freuen – was einzelne auf ihre eigene Art taten …

Und wie dieser zweite Tag vonstatten ging! Für den Schreibenden zunächst mit der Feststellung, verschlafen und nur noch zehn Minuten bis zur Abfahrt zur Verfügung zu haben, wobei ihm schon eine halbe Minute später die Dusche einen fatalen Streich spielte. Doch auch er war rechtzeitig im Bus und auf der Bahn Richtung Kleine Scheidegg und genoss die zunehmend faszinierender werdende Aussicht. Und erst das Hotel des Alpes, wo die spontane Nicole Schäpper Salon und Esssaal und Büro und Zimmer zeigte. Abgesehen von der Bar. Diese Bar! Also ist es nicht das letzte Mal gewesen, dass man auf der Kleinen Scheidegg war … Obwohl es da weder Radio noch Fernseher noch die Erlaubnis gibt zu rauchen. Dafür die Möglichkeit, nach oben zu staunen. Und das taten die Thurgauerinnen und Thurgauer denn auch: Eiger, Mönch und Jungfrau (während sich eine Teilnehmerin darüber wunderte, dass niemand, aber auch niemand, auch der Schreibende nicht, das danebenstehende Silberhorn zu benennen, geschweige denn zu würdigen wusste). Trotzdem hat alles ein Ende, z. B. weil das Züglein dasteht und sagt: „Einsteigen.“ Also steigt man ein und gähnt ab und zu, um, wenn man, nach schönster Fahrt, unten angekommen ist, auch noch zu hören, was dort gesagt wird, nämlich, kaum ist man ausgestiegen: „Einsteigen bitte.“ Also steigt man halt wieder ein und fährt zum Staubbachfall. Und dann steigt man auch noch hoch und weiss zunächst gar nicht warum. Denn das ist doch bloss ein schmales Bächlein, das sich da über die Felswand stürzt. Aber wenn man dann plötzlich hinter der Wasserwolke steht, weiss man, warum man da heraufgehastet ist. Dann geht man wieder hinunter und steigt in den Bus ein, der die Gesellschaft nach Interlaken fährt, wo Jürg Schmutz vor der Gewaltswiese die Entstehung von Interlaken skizziert. Nun hatte man noch Zeit, etwas auf dem Höheweg zu schlendern, bevor im Hotel Royal St. Georges das Mittagessen gereicht wurde: in diesem grossen Saal, dessen Akustik so gerissen ist, dass man auch, wenn er vollbesetzt ist, das Gegenüber problemlos hören kann. Nach dem Essen berichtete Hoteleigentümerin und -direktorin Marianne Kurzen über die Geschichte ihres Hauses und öffnete es nachher auch in den oberen Etagen für die gwundrigen Reiseteilnehmerinnen und Reiseteilnehmer. Auch hier, wie überall, wurde die Reisegruppe offen und herzlich empfangen und über die Highlights des Hauses ebenso ins Bild gesetzt wie über die Sorgen und Nöte.

Nun ging es wieder gen Osten, zunächst zwar etwas verzögert durch einen Stau auf der Autobahn. Aber wäre man früher wieder in Ersigen gewesen, wo die Schweine über Sonntag übrigens aus dem Ortsbild entfernt worden waren, wäre man dort nur noch etwas ratloser vor dem Salatteller gehockt. Auch so schien sich zunächst Ratlosigkeit breit zu machen: Wohin, um Himmels Willen denn mit dieser Berner Portion? Aber mit dem Essen kommt der Appetit … Und so ging die Rückfahrt in den Thurgau denn traditionell still vonstatten. Dort langte um 19.30 Uhr eine glückliche Reisegesellschaft an. Der mit Bravorufen, Gejohle und Füssestampfen durchsetzte Applaus für die Reiseleiter hatte übrigens noch in Ersigen stattgefunden.