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Zweitägige Exkursion 2015 auf den Monte Verità

Entsprechend dem Jahresmotto „Höhen und Tiefen“ führte die Jahresexkursion zum (geografisch) tiefsten Punkt der Schweiz, dem Lago Maggiore und dessen „Isole di Brissago“ sowie auf den „Berg der Wahrheit“. Einen vertieften Einblick in die vor 100 Jahren aktive „Theosophische, neo-christliche, kommunistische, vegetabile, individuelle Kooperative“ auf dem Monte Verità bei Ascona zu gewinnen, war die Erwartung von 29 Bus-Reisenden. Sie machten sich, unter Führung der beiden Vorstandsmitglieder und Organisatoren der Reise, Karin Bauer und Adrian Oettli, frühmorgens aus dem regnerischen Thurgau ins sonnige Tessin auf. Von ganz besonderer Bedeutung bei solchen Exkursionen ist das Intervall der Kaffeepausen; in Andeer blieb neben Kaffee und Gipfel im Hotel Fravi sogar noch Zeit für einen kurzen Spaziergang durchs Dorf. In Ascona ging’s direkt zum Mittagessen in den Hof des „Ristorante Antico Borromeo“. Der anschliessende Programmpunkt „Individueller Spaziergang durch Ascona“ wurde von den meisten Mitreisenden zuerst dazu genutzt, das nur wenige Schritte nebenan liegende „Collegio Papio“ zu besichtigen – eine katholische Mittelschule, in der ein Kreuzgang und eine Kirche zu sehen sind. Gefallen haben hier besonders die zahlreichen Fresken in der Kirche. Der Wunsch nach Kaffee und Süssspeise drängte dann viele an die berühmte See-Promenade, wo man sich später wieder sammelte. Es folgte ein kurzer Fussmarsch zum „Museo Castello San Materno“, einem vor wenigen Jahren renovierten Palazzo auf einer Anhöhe inmitten der Stadt. Die Kunsthistorikerin lic. phil. Ursina Fasani gab einen (etwas trockenen) Überblick über das Haus und die schön präsentierte Sammlung der „Fondazione per la Cultura Kurt e Barbara Alten“ mit rund 40 Werken deutscher Künstler aus der Zeit zwischen dem Ende 19. Jahrhunderts und den 1920er-Jahren. Durch eine Hauptstrasse vom Castello getrennt liegt das „Teatro San Materno“, eines der ersten Gebäude des Neuen Bauens, den der damalige Besitzer des Castello seiner Tochter Charlotte Bara als Tanz-Schule finanzierte. Weil der hier für die Führung vorgesehene Spezialist wegen höherer Gewalt ausfiel, gab Karin Bauer anlässlich eines Rundgangs um das Haus eine informative Einführung in Besonderheiten und Bedeutung des gekonnt renovierten Baus. Weiter ging’s per Car zum Monte Verità. Auch die diesjährige Fahrt mit dem Bus bot Unterhaltungswert: Millimeterarbeit des Chauffeurs („Jetzt wird’s richtig eng“) und Zwischenrufe resp. Lösungsvorschläge des Publikums erheiterten bzw. nährten Befürchtungen – je nach Temperament der Teilnehmenden. Das Hotel auf dem Berg erfreute! Die Aussicht durch die grossen Fenster oder vom geräumigen Balkon auf den Lago Maggiore und die Hügelkette an dessen südlichem Ufer ist wunderschön. Kaum blieb Zeit für einen Aperitif auf der einladenden Terrasse – schon war Abendessenszeit. Bei dem schmackhaften Mahl wurden in angeregter Diskussion die Tageseindrücke verarbeitet. Zu hoffen bleibt, dass die happigen Weinpreise diese Eindrücke nicht zu sehr verwischten.
Der zweite Exkursionstag begann mit einem reichhaltigen Frühstücksbuffet mit Blick vom Essplatz auf Park, See und Berge bei herrlichstem Sonnenlicht, von hohen Bäumen wie gefiltert. Nun wartete im Park die 87-jährige Enrichetta Alessandra Rogantini De Beauclair. Sie kennt den Monte Verità wie ihr eigenes Zuhause, ist sie doch als Tochter des Verwalters und Sekretärs auf dem Berg aufgewachsen und hat in Ascona die Schule durchlaufen. Die rüstige Dame erzählte aus dem Gedächtnis frisch und unterhaltsam aus ihrer Jugendzeit, besonders von den Gründern der Kooperative der „Lebensreformer“ und deren ersten Nachfolgern (und von den Merkwürdigkeiten des Wirkens und Treibens in den „wilden“ Zeiten) sowie von der selbst erlebten Zeit unter Baron Eduard von der Heydt.
Ein weiterer Höhepunkt (obwohl der Tiefpunkt, s. o.) folgte mit den Brissago-Inseln: Per Bus zum Schiff und mit diesem kurz übergesetzt zur grösseren der beiden Inseln. Diese ist ein einziger botanischer Garten, gegliedert nach den Kontinenten, aus welchen die gezeigten Pflanzen stammen. Mitten im Garten, erhöht am höchsten Punkt der Insel, steht eine schlossartige Villa, die als Hotel und Restaurant genutzt wird. In der verglasten Loggia mit prachtvollem Blick zum oberen See-Ende hin, wurde den Teilnehmern das Mittagessen serviert (Piccata – man war an frühere Exkursionen erinnert). Diesem erholsamen Unterbruch folgte eine Führung in zwei Gruppen durch den Garten. Verena Fleury und ihre Kollegin erläuterten ebenso versiert wie charmant in unterhaltsamer Mischung Merkpunkte aus der Geschichte der Inseln und pflanzliche Besonderheiten und Raritäten.
Die Zeit auf den Inseln schloss ab mit einer weiteren Kaffee- und Dessertzeit in besagter Loggia. Voll von Eindrücken und wohl deshalb leicht ermattet setzte die Gruppe per Schiff nach Ronco über, wo sie kurz darauf der Bus aufnahm. Die Heimfahrt genossen die einen in stiller Verarbeitung des Erlebten, die anderen in angeregtestem Dialog. Unterbrochen wurde die Rückfahrt in Sargans, wo nicht nur ein Abendessen à la carte (bei moderaten Weinpreisen) möglich war, sondern auch der Oberkellner seinen Gästen bis in den Bus folgte, um persönliche Dankesworte per Lautsprecheranlage weiterzugeben. Zeitgerecht fast auf die Minute (wie bei praktisch jedem Programmpunkt dieser gelungenen Exkursion) erreichte man am späteren Abend die einzelnen Ausstiegsorte.
Hansjörg Oettli

 

 

Unterlagen

Ausschreibung Exkursion 2015.pdf