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Exkursion 2019 nach Konstanz und Sipplingen

Die Exkursion wurde von Adrian Oettli und Philipp Sauter organisiert.

Zwar sprudelten in Konstanz zu Ende des Mittelalters rund vierzig Brunnen. Sauberes Wasser lieferten sie jedoch nicht. Daraus habe sich die zwingende Notwendigkeit ergeben, grosse Mengen alkoholhaltiger Getränke zu konsumieren, erklärte der Konstanzer Stadtführer Ulrich Büttner. Der Gymnasiallehrer und Historiker führte die eine Teilnehmergruppe der Exkursion des Historischen Vereins. Die zweite Teilnehmergruppe wurde vom Politikwissenschaftler Henry Gerlach geführt. Er arbeitet hauptberuflich als wissenschaftlicher Mitarbeiter der EU, wie er bei der Kaffeepause im Restaurant Konzil erzählte. Beide Stadtführer arbeiten für die Marketing und Tourismus Konstanz GmbH.

Heute gebe es in Konstanz noch vier bis fünf Brunnen auf Stadtgebiet, sagte Büttner beim 1897 errichteten Kaiserbrunnen auf der Marktstätte. Geschmückt wurde er schon zu Beginn von bronzenen Darstellungen deutscher Kaiser, die aber 1942/43 eingeschmolzen wurden, um das Metall für Rüstungszwecke zu verwenden. 1990 wurden neue Figuren aufgestellt, mit viel Schalk vom Bildhauer Gernot Rumpf gestaltet. Ein Pfau mit drei Päpsten erinnert an das Konstanzer Konzil, ein Zwitterwesen aus Fisch und Hase symbolisiert die Seeanwohner, die auf deutscher Seite Seehasen genannt werden.
Unhygienisch waren die Verhältnisse in den Feuergassen, von denen die Exkursionsteilnehmer zwei besichtigten. Ihre Hauptfunktion entsprach den heutigen Kanalisationsleitungen. „Hier hat es bestialisch gestunken“, sagte Büttner. Die ein bis zwei Meter breiten Feuergassen wurden in der Regel mit einem leichten Gefälle angelegt, damit die von den Abort-Erkern der angrenzenden Häuser hinunterfallenden menschlichen Ausscheidungen und Abfälle nach Möglichkeit abfliessen konnten. Die eine gezeigte Feuergasse ist in der Regel verschlossen. Doch der enge Durchgang wirkt ohnehin abschreckend. Die andere Feuergasse, die öffentlich zugänglich ist, wird laut Büttner selten betreten.

Vor dem Besuch des Seewasserwerks machte die Gruppe Halt im Restaurant Haldenhof, wo sich die fünfzig Exkursionsteilnehmer mit Maultaschen, Braten und Salat verpflegten. Die Getränke waren teilweise wie im Mittelalter mit Alkohol versetzt.

Möglicherweise tranken einige Konstanzer schon im Mittelalter auch Wasser aus dem Bodensee, so wie es heute vier Millionen Einwohner des deutschen Bundeslands Baden-Württemberg tun. Versorgt werden sie durch das 1956 bis 1958 erstellte und 1968 erweiterte Seewasserwerk auf dem Sipplingerberg am Überlingersee, der zweiten Station der Exkursion.

Sechs Pumpen befördern in zwei Steigleitungen von 1,3 Meter Durchmesser maximal 9000 Liter pro Sekunde zur Aufbereitungsanlage. Diese befindet sich auf 705 Meter über Meer. Die Stelle wurde gewählt, weil unten am Steilufer kein Platz war, sagte die Mitarbeiterin des Seewasserwerks, Sabine Geier, welche die Exkursionsteilnehmer durch die Anlage führte. Sie erwies sich als ebenso kompetent wie die beiden Konstanzer Kollegen Büttner und Gerlach. Deutlich unter dem Niveau der Führerin durch das Seewasserwerk bewegte sich der als Einführung gezeigte Film. Darin werden Kinder gezeigt, die sich angeblich dafür interessieren, weshalb das Wasser aus dem Hahn sauber ist.

Da das Wasser 310 Meter in die Höhe gepumpt werden muss, verbraucht das Seewasserwerk so viel Strom wie 40‘000 Haushalte, die Produktion eines mittleren Alpenstausee-Kraftwerks. Dafür fliesst das aufbereitete Trinkwasser weitgehend durch das natürliche Gefälle zu den Bezügern. Die 1971 erstellte zweite Hauptleitung führt durch einen 24 Kilometer langen Stollen durch die Schwäbischen Alb. Dank einem Chlorzusatz, der sich selber abbaut, muss es nirgends weiter aufbereitet werden.

Im den 15‘000 und 12‘000 Kubikmeter grossen Ozonbecken unterhalb des Rundbaus werden übriggebliebene organische Partikel getötet. Das Wasser fliesst anschliessend in einen noch weiter unten gelegenen länglichen Bau, der sich sichelartig um den Hügel zieht. Darin befinden sich 27 Becken von 5 Metern Tiefe; jedes etwa von der Grösse eines Gartenschwimmbeckens eines Einfamilienhauses. In der Anthrazitkohle, dem Quarzsand und dem Kies, die den Boden der Becken 1,5 Meter hoch bedecken, bleiben die abgetöteten Partikel hängen. Danach fliesst das aufbereitete Trinkwasser quer durch Baden-Württemberg. Acht Tage dauert die Reise bis zur nördlichen Grenze des Bundeslands.

Heftiger Regen setzte ein, als die Exkursionsteilnehmer den Rundbau auf dem obersten Punkt der Anlage betraten. Darin befindet sich das Quellbecken, ein überdimensioniertes Sprudelbad, in das sich das Wasser aus den beiden wenige Meter zuvor vereinigten Steigröhren ergiesst. Die Wassertemperatur von fünf Grad verlockt jedoch nicht zum Bad.

Thomas Wunderlin

 

 

Unterlagen

Ausschreibung Exkursion 2019.pdf