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Zweitägige Exkursion 2009: Die Gemeinen und ihre Herrschaft - ab nach Schwyz

Die Innerschweiz präsentierte sich uns bei strahlendem Spätsommerwetter von ihrer schönsten Seite. Aber auch die Organisation und Leitung der Exkursion (Bettina Hedinger und Karin Bauer) sowie die Betreuung durch die Gastgeber liessen keine Wünsche offen. Im Grossratssaal des Rathauses zu Schwyz, einer ehemaligen „Wöschhänki“, führte Staatsarchivar Erwin Horat in die Geschichte des Hauses und die Besonderheiten der Schwyzer Staatsform ein, bevor man dann vom Sockel der Pfarrkirche St. Martin einen Blick auf den imposanten Dorfplatz des Fleckens und die Fassadenmalerei am Rathaus werfen konnte. Nach dem Essen ging’s unter der Führung von Denkmalpfleger Markus Bamert zu den Herrschaftshäusern einiger der auch im Thurgau aktiv gewordenen Schwyzer Geschlechter. Vom Palais der Ab Yberg „im Grund“ sahen wir nur die frühbarocke Fassade und den schmucken Garten, aber im prächtigsten der vielen Herrschaftshäuser, dem Ital-Reding-Haus, konnten wir die öffentlich zugänglichen Innenräume mit ihrer üppigen Ausstattung bewundern. Als Zugabe führte uns Markus Bamert in einen erst kürzlich von den (privaten) Besitzern fachgerecht renovierten grosszügigen Empfangsraum im „Feldli-Haus“, in dem Franz Georg ab Yberg (1673–1753) als Reisläufer in spanischen und österreichischen Diensten die barocke Stukkatur der Decke durch den kaiserlich-habsburgischen Doppeladler bereichert hatte. In Erinnerung bleiben dürfte auch der Gang durch das Wohnhaus „Bethlehem“, einen Holzständerbau, dessen Entstehung man lange Zeit in die Mitte des 16. Jahrhunderts. datiert hatte, dessen Balken jedoch allesamt aus der Entstehungszeit des Bundes der Waldstätte stammen. Abendessen und Übernachtung im historischen Waldstätterhof in Brunnen waren gediegen, um nicht zu sagen luxuriös. Nachdem uns Erwin Horat in die Geschichte von Verkehr und Tourismus in der Zentralschweiz und Josef Gwerder, ehemaliger Schiffskonstrukteur in der Werft von Luzern, in die Entwicklungsschritte der Motorschifffahrt auf dem Vierwaldstättersee eingeführt hatten, konnten wir dann beide originalen Raddampfer als Transportmittel benutzen bzw. „erfahren“. Von Brunnen ging’s mit Dampf nach Bauen UR und nach dem Mittagessen im Geburtshaus von Alberich Zwyssig zurück nach Vitznau. In Bauen mit seiner südlichen Vegetation stellte uns Vereinskollege Alexander Werder den hier geborenen Komponisten sowie den Textdichter des Schweizerpsalms vor, die als politische Antipoden noch vor dem Sonderbundskrieg die Aussöhnung der verfeindeten Parteien im Geiste einer pantheistisch überhöhten Natur- und Vaterlandsliebe vorweg genommen hatten.