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Zweitägige Exkursion 2011: Am Wasser - dem Rhein entlang

Die diesjährige Exkursion führte nach Basel, nicht zum Münster, nicht zu Tinguely oder Beyeler, nicht zu Konrad Witz, Holbein oder gar ins Staatsarchiv. Nein, der Abfluss des Wassers aus der Schweiz nordwärts und die Bedeutung der europäischen Verkehrsachse genannt Rhein war das Thema. Stillschweigend vorausgesetzt wurde die Tatsache, dass die irischen Mönche auf dieser Wasserstrasse an den Bodensee gekommen sind und „uns“ von der Reichenau und St. Gallen aus christianisiert haben. Der Rhein kann deshalb auch als europäische Kulturachse bezeichnet werden, die das Weltmeer mit dem Bodensee verbindet.

Die von Verena Rothenbühler und Bettina Hedinger sorgfältig und liebevoll vorbereitete und durchgeführte Exkursion startete in Rheinfelden. Dieses um 1130 durch die Zähringer gegründete Städtchen mit Burg auf der Rheininsel war bis 1803 freie Reichsstadt unter österreichischer Herrschaft und wurde erst durch Napoleon vom badischen Teil getrennt und zum Aargau geschlagen. Die mittelalterliche Struktur und Teile der Stadtbefestigung sowie zahlreiche hervorragende Häuser prägen das Ortsbild, zusammen mit einigen Hotelbauten, die den Massstab der Stadt weiten. Rheinfelden wurde nämlich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts berühmt durch die Solbäder, nachdem 1844 grosse unterirdische Salzlager entdeckt worden waren. Das Regionalmuseum des Fricktals, das wir auch besucht haben, gibt einen guten Überblick über die Bedeutung des Ortes, des Salzes und der Badekur im Laufe der Zeit.

Nach einem wehmütigen Blick rheinaufwärts, wo die letzten Spuren des ältesten Laufkraftwerkes in Europa (1898) kaum noch sichtbar sind, trug uns der „Lällekönig“ (Baujahr 1980) mit über 300 weiteren Trinkfreudigen – es war einer der heissesten Tage des Jahres – rheinabwärts durch zwei Schleusen nach Basel und zum Dreiländereck.

Am zweiten Tag machte uns ein pensionierter Kapitän mit der Schifffahrer-Nation Schweiz und der Nabelschnur Basler Rheinhafen bekannt, zuerst anhand einer Power-Point-Schau, dann vom Dach des 1926 erbauten Bernoulli-Silos aus, benannt nach dem Architekten Hans Bernoulli (1876-1959). Hier oben steht man wirklich im Herzen Europas: der Jura, die Vogesen und der Schwarzwald bilden auf drei Seiten den Horizont, nach Norden öffnet sich die weite Rheinebene mit dem Isteiner Klotz und zu Füssen berühren sich Frankreich, Deutschland und die Schweiz – das Dreiländereck am Rheinknie. Die Ausstellung „Verkehrsdrehscheibe Schweiz und unser Weg zum Meer“ machen die grosse Bedeutung des Rheinhafens Basel-Kleinhüningen für die Schweizer Wirtschaft im Laufe der Zeit vollends deutlich.

Auf der Rückfahrt besichtigten wir eines der zwölf Flusskraftwerke zwischen dem Bodensee und Basel: Birsfelden. Es wurde von 1950 bis 1954 erbaut und vom Architekten Hans Hofmann gestaltet, der auch der Landi 1939 sein Gesicht gegeben hat. Auch konnten wir die am Vortag vom Schiff aus erlebte Schleuse noch von oben besichtigen.

Müde und gedankenschwer sind wir abschliessend dem Rhein entlang Richtung Frauenfeld gefahren: Die Eingriffe des Hafens und des Kraftwerkes in die Landschaft sind, wenn auch schonend ausgeführt, doch gewaltig und wir dürfen dankbar sein, dass die Hochrheinschifffahrt in Schweizerhalle endet und Salmsach nicht, wie in den happy-sixties geplant, zur Hafenstadt geworden ist.
Jürg Ganz

 

 

Unterlagen

Fotos Exkursion 2011.pdf