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Zyklus 2018: Thurgauer Erinnerungsorte

Im Zyklus wurde nach der Jahresversammlung im Kloster Fischingen die Suche nach Kristallisationspunkten der Erinnerung im Thurgau weitergeführt. Das Jahresthema „Erinnerungsorte“ führte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den drei Veranstaltungen nach Berlingen, Weinfelden und Arbon.


Adolf Dietrichs Thurgauer Bilder

Der geborstene Dampfkessel lag noch im Wasser des Untersees, als Adolf Dietrich die Bilder über die Explosion der „Rheinfall“ an seinem Mal-, Ess-, Empfangs-, Besprechungs- und Jasstisch malte. Der Maler schuf unzählige Erinnerungsbilder, die persönliche Eindrücke, geliebte Menschen und die Landschaft in ihrer kunstvollsten Form zeigen. Der Dietrich-Kenner Willi Tobler zeigte den Mitgliedern des Historischen Vereins anschaulich, wie die Erinnerung in Adolf Dietrichs Werk auf verschiedene Arten eine zentrale Rolle spielte. Dass Dietrichs Grabstein durch Umplatzierung schrittweise selber zum Denkmal wurde und der Garten gegenüber der Malstube anhand von Dietrichs Werk wieder hergestellt wurde, sind Beispiele, wie das Werk des Malers mittlerweile selber zu einem Referenzpunkt für Erinnerung geworden ist.


Weinfelden oder das Verblassen der Erinnerung

Als „le plus misérable village de la Suisse“ soll der französische General Masséna Weinfelden bezeichnet haben. Bürgerarchivar Franz-Xaver Isenring öffnete den Mitgliedern des Historischen Vereins die Augen für die Erinnerungsorte, die Masséna (noch) unbekannt waren. Auf dem Rundgang vom Rathaus zur ehemaligen Haffterschen Eisenhandlung, durch den dahinterliegenden Park mit Kräutergarten, in den „Weinfelder „Staatskeller“ im Haus zum Komitee, bis zur Beggeli-Sprachgrenze an der Frauenfelderstrasse konnte Franz-Xaver Isenring die interessierten Zuhörerinnen und Zuhörer mit Fakten und Anekdoten davon überzeugen, dass in Weinfelden die Erinnerungsorte an die politischen Umbrüche im 19. Jahrhundert gepflegt werden. Die heimliche Hauptstadt des Kantons ist, so das Fazit dieses Abends, alles andere als misérable.


Saurer fährt den Thurgau in die Welt

Beim Treffpunkt am Denkmal, das zum 100-jährigen Bestehen der Firma Saurer im Jahr 1953 von Ernst Heller geschaffen worden war, wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am dritten Abend des Zyklus‘ von Verena Rothenbühler begrüsst. Sie bereitete mit ihren anregenden Ausführungen zum Denkmal das Feld für die kenntnisreichen Ausführungen des Saurer-Kenners Adrian Knoepfli, der die Mitglieder des Vereins ins Saurer-Museum führte. Dort stehen sie, die Saurer-Postautos, Saurer-Lastwagen, Saurer-Feuerwehrautos. Sie, die nun schön in chronologischer Formation neben Saurer-Webmaschinen und Saurer-Gewehren den Besuchern ihre Schnauzen entgegenrecken, sind es, zu denen viele Menschen eine emotionale Beziehung aufbauten. Wie der tüchtige Mechaniker Alfred Rietmann, der gar Heimatgefühle empfand, als er in Vilnius den Dieselmotor eines Saurer-Lastwagens hörte. Obwohl die Firma längst zerstückelt und verstreut wurde, geistert der Name Saurer nach wie vor durch Arbon und die Köpfe der Thurgauerinnen und Thurgau - als Echo der Dieselmotoren.

Verena Rothenbühler, Urban Stäheli

 

Unterlagen

Ausschreibung Zyklus 2018.pdf

 

 

Anmeldung

Der Zyklus hat stattgefunden.