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Zyklus 2016: "Jedem sein Gärtchen ..."

Gärten und Pärke sind ein weites Themenfeld. Da passen wirtschaftliche Aspekte genauso rein wie Argwohn, professionelle Planung genauso wie Fülle, Vielfalt und Freude. Dank engagierten Führern war es möglich, an den vier Veranstaltungsabenden die professionellen Seiten genauso zu sehen wie die ganz persönlichen, subjektiven.


Im Gartengeschäft in Kreuzlingen

Reto Locher versteht das Geschäft mit dem Garten. Er ist als Fachverantwortlicher Chef über 19 Gartenparadiese in der Ostschweiz und dem Tessin. Die Gartenparadiese, wie die Abteilungen in den Bau und Hobby-Filialen von Coop heissen, sind nicht nur bei den kaufwilligen Gärtnern beliebt, sondern auch nützlich für den Konzern. Der erzielte Umsatz ist gross, genauso die Ladenfläche. Aufgeteilt in Warmhaus, Kalthaus und Freiland stehen die Hartware (nicht englisch) und die Pflanzen nicht einfach zufällig, sondern durchaus absichtsvoll drapiert, mit dem Ziel, gekauft zu werden. Dass man sich dafür so einiges einfallen lässt, darüber berichtete Reto Locher offen und ausführlich, so dass jedem klar wurde: im Paradies wird hart gearbeitet.


Im Park in Frauenfeld

Früher fuhren Kinder und Jugendliche mit Velos durch Mulden und über Hügel im Buebewäldli in Frauenfeld. Heute haben sie dafür einen Skaterpark, während aus dem Buebewäldli eine genau geplante und umsichtig umgesetzte Parkanlage wurde: der Murg-Auen-Park. Der Frauenfelder Architekt Thomas Hasler war von Anfang an treibende Kraft hinter dem Projekt. Indem er sich die nötige Unterstützung aus Politik und von Wasser- und Brückenbauingenieuren sicherte, gelang es, innert weniger Jahre einen Ort zu gestalten, wo die Leute hingehen; sei es für das vorabendliche Tai-Chi oder das frühkindliche Sändele am Flussufer, für den Wochenendspaziergang oder zum Grillieren. Angesprochen auf die Zukunft äusserte Thomas Hasler den Wunsch, dass sich die Grünflächen noch weiter durch die Stadt murgaufwärts schieben.


In den Gemüsegärten in Diessenhofen

Bevor die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusammen mit Verwalter Roland Moresi und Bürgerarchivar Hansueli Ruch durch das Chabisland schlenderten, machten sie einen Kurzbesuch in der industriellen Gemüseproduktion der Firma Grob auf der anderen Strassenseite. Dort wachsen Tomatenpflanzen aus Substraten und werden so arrangiert, dass die Erntehelfer zwischen den Reihen auf Brusthöhe ihre Arbeit verrichten können. Geschäftsführer Armin Gredig vermochte in der kurzen Zeit des Besuchs die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit seinen Ausführungen durchaus zu fesseln.
Der anschliessende Spaziergang durch die Schrebergärten der Bürgergemeinde Diessenhofen führte in eine andere Welt. Hier wächst das Gemüse seit rund 200 Jahren auf mehr oder weniger akkurat gepflegten Ländern neben mehr oder weniger vorschriftsgemässen Hütten. Ärger über die frei interpretierten Vorgaben kann leicht entstehen, wenn auf engstem Raum gegärtnert wird; trotzdem ist auf vielen Pachtländern sichtbar, wie die Bewirtschafter mit grossem Einsatz versuchen, ihr kleines Reich zu pflegen, ihren Gartentraum zu leben.


Im Barockgarten in Märstetten

Um einen Barockgarten zu bauen und zu unterhalten, braucht es eine gehörige Portion Leidenschaft und keine Angst vor dem Jäten. Jürg Trippel merkt man seine Freude an seiner Gartenanlage an, und am Barock. Als Besitzer eines stattlichen Anwesens inmitten von Märstetten setzte er sich vor rund 10 Jahren das Ziel, einen Barockgarten anzulegen. Auf der Rossweid. Dafür steht zwar das Pächterhaus etwas unglücklich und die Ebene verlangt nicht eben nach einer Terrassierung. Doch wer einen Barockgarten will, lässt sich von solchen Nebensächlichkeiten nicht vom Ziel abbringen und macht das beste draus. So konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am letzten Abend des Gartenzyklus diesen wunderbaren Garten mit seinen verschiedenen Teilen, seiner Symbolik, der wohlüberlegten Anordnung und den Kompromissen, die dem Gartenleben geschuldet sind, besichtigen. Leider fiel der geplante Abschluss des Zyklus mit einem Apéro im Barockgarten ins Wasser. Dafür wurden die Besucherinnen und Besucher kurzerhand in die gute Stube des Hausherrn eingeladen.


Urban Stäheli

 

Unterlagen

Ausschreibung Zyklus 2016.pdf