Historischer Verein des Kantons Thurgau

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Exkursion 2021 nach Kaiseraugst und Rheinfelden

04.09.2021

Die Exkursion wurde von Adrian Oettli und Philipp Sauter organisiert.


Früh am Samstagmorgen, den 4. September 2021, brachen die 36 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Exkursion Richtung Westen auf. Getreu dem Jahresmotto «Essen und Trinken» sollten kulinarische Themen in historischer Perspektive erlebt werden. Komfortabel gereist wurde im Apfelcar, gesteuert von Chauffeur Christian. Die stoische Ruhe und routinierte Fahrweise des Chauffeurs wurden während des Ausflugs mehrfach unter Beweis gestellt. Egal ob enge Überlandsträsschen, unerwartet auftauchende Baustellen oder neu erstellte Einbahnstrassen, nichts vermochte Christian aus der Ruhe zu bringen, und er brachte die Historische Truppe sicher zu jedem Etappenziel des Ausflugs.
Die erste Etappe führte zu einem Zentrum der römischen Schweiz, Augusta Raurica. Begünstigt durch ein geringes Verkehrsaufkommen, hatten die Teilnehmer ausreichend Zeit, die Ruinen selbständig zu erkunden. Über die einstigen Einwohnerinnen und Einwohner und ihre Bauten informierten wahlweise Schautafeln, Stadtmodelle oder Mobiltelefon-Apps mit Virtual Reality-Darstellungen. Nachdem Kaffee, Croissants und frische Früchte genossen waren, starteten die Workshops. Zum Bedauern sowohl der Exkursionsgruppe wie der Verantwortlichen vor Ort war die Leitung des antiken Brotbackkurses bis zum vereinbarten Termin unauffindbar. So teilte sich die Gruppe auf die beiden anderen Angebote «Kult und Kräuter» und «Göttliche Düfte» auf. Archäologiestudent Luca Grünig führte seine Gruppe in die Welt der römischen Salben ein, die aus Kräutern, Olivenöl und Bienenwachs hergestellt und zu medizinischen und kultischen Zwecken verwendet wurden. Eine der Salben, die den Appetit anregen solle, dürfte in der heutigen Zeit kein Kassenschlager mehr sein. Die Teilnehmenden bewiesen zumindest im Verlauf des Tages, dass es dazu keiner Salbe bedurfte. Die zweite Gruppe startete ihren Kurs unter der Leitung von Judith Tschamper mit dem Nachspielen einer römischen Rauchopfer-Zeremonie zu Ehren der römischen Götter. Diese waren uns an diesem Tag wahrlich wohlgesinnt. Mit Mörser, Stössel und viel körperlichem Einsatz wurden anschliessend Kräuter und Harze – Wachholderbeeren, Salbei, Beifuss, Rosenblätter und natürlich Weihrauch, um nur einige zu nennen – in Räuchermischungen verarbeitet. Auf Kohlestücken gaben diese ihre wohlriechende Essenz für Körper, Seele und Geist frei.
Nach einer Fahrt entlang der Kantonsgrenze von Basel-Landschaft und Aargau dinierten die Exkursionsgäste im Landgasthof Farnsburg. Unweit der Ruine Farnsburg liegt der Gasthof, der sich einer herrlichen Aussicht, eines umfangreichen Weinkellers und einer hervorragenden Küche rühmt. Der Sommelier des Hauses stellte bei einem Glas Prosecco in wohlklingendem Elsässerdeutsch seinen Weinkeller vor (sieben Kellerabteile, zwei Million Franken Nettowert, Weine aus 250 Jahren und 50 Jahre Sammelaktivität). Schwer beeindruckt verliess die Gruppe das Gewölbe und die meisten folgten anschliessend ohne Wiederspruch den Weinempfehlungen des Sommeliers; zu nachhaltig war der Eindruck der Wein-Unterwelt. Das Essen war famos, die Aussicht auch. Noch während der Mahlzeit wurden künftige Besuche und Töfftouren in die Gegend geplant.
Mit leichter Verspätung brach die Gruppe des Historischen Vereins vom Landgasthof auf. Man hätte noch viel länger verweilen können, doch das Programm und die Reiseleitung drängten zum Aufbruch, was einige um den verdienten Kaffee brachte. Wohlwollend wurde aber jegliches Klagen über diese Ungeheuerlichkeit unterlassen. Nach einer unerwarteten Baustelle mit einer noch weniger erwarteten Umleitung durch das Hinterland von Basel-Landschaft gelangte der Car schliesslich mit rund einer halben Stunde Verspätung nach Rheinfelden zum Feldschlösschen.
Die Gruppe wurde von den beiden Damen Metzmaier und Stücheli in Empfang genommen und die organisierten gekonnt um, so dass die Verspätung zu keinerlei Friktionen oder Beeinträchtigungen führte. Versiert berichteten die beiden Führerinnen in ihrer jeweiligen Gruppe von Hopfen und Malz, Bauern und Brauer sowie von Eisenbahn und Blaublutpferd. Die Teilnehmenden lernten allerlei über die Kunst des Bierbrauens, den Aufbau des Unternehmens, das Produkteportfolio und darüber, wie die grösste Brauerei der Schweiz zu dem wurde, was sie heute ist. Die Führung mündete in eine grosse Degustation, in welcher der Grossteil der Produkte gekostet werden konnte. Ausgiebig wurde davon Gebrauch gemacht. Die Kritiken der nunmehr geschulten Gaumen fielen naturgemäss je nach Marke und Geschmack geteilt aus, worüber sich dann bei Brezel und noch mehr Bier trefflich diskutieren liess.
Anschliessend reiste die Gruppe rasch und unkompliziert nach Hause, wobei sich die Reiseleitung über die anhaltende Energie der Teilnehmerinnen und Teilnehmer wunderte. Hatte man doch nach Sonne, einem reich gefüllten Programm und insbesondere nach Prosecco, Wein und Bier für den Nachhauseweg mit einer Schlafwagenstimmung gerechnet. Aber dem war nicht so. Munter wurde über das Erlebte reflektiert und diskutiert, bis der Thurgau wieder erreicht war.


Adrian Oettli und Philipp Sauter

Anmeldung

Die Exkursion hat stattgefunden.