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Thurgauer Beiträge zur Geschichte 158 (2020): "Zwei Himmel über dem Thurgau"
Vernissage am Dienstag, 12. Mai 2020, im Staatsarchiv des Kantons Thurgau
 
Mit der Kantonsverfassung von 1869 wurden im Thurgau Kirche und Staat "getrennt". So jedenfalls die auf den kurzen Nenner gebrachte allgemeine Meinung. Sieht man genauer hin, bemerkt man, dass die "Trennung" in der Verfassungsnorm bestenfalls kulminierte: Sie begann schon viel früher und endete – vielleicht – lange nachher. Die fünf Autorinnen und Autoren von "Zwei Himmel über dem Thurgau" spüren dem säkularen Trennungsprozess anhand von vier Fallbeispielen nach. Rudolf Gebhard zeigt, was die Kirchen aus der neuen Autonomie machten – und inwiefern sie ihnen in die Quere kam. Carla Aubry spürt – mit Schwerpunkt Religionsunterricht – Entstehung und Fortentwicklung der konfessionell neutralen Volksschule nach. André Salathé lässt Maria Magdalena Gimmi unter Beisein der kommunalen Hebamme in Andwil auf die Welt kommen, vor dem Bezirksgericht Weinfelden zivil heiraten und in Sulgen still beerdigen. Heidi Witzig geht anhand von drei Fällen der spät verstaatlichten Fürsorge nach. Eingeleitet wird der Band durch einen Essay von Reto Friedmann. Und, neu für die "Thurgauer Beiträge": Johanna Müller hat alle Arbeiten mit kolorierten Zeichnungen ausgestattet. In ihnen verschwimmen die Zeiten und Ernst und Unernst. Ein Buch zum Nachdenken und Schmunzeln – und erstaunlich aktuell! Denn alle Aufsätze wagen den Link zu aktuellen politischen Fragen. Verblüffend, diese Parallelen!